Ausbildung in Teilzeit eröffnet Perspektiven

Eine Ausbildung in Teilzeit ist eine tolle Chance für alle, die aufgrund ihrer persönlichen Umstände nicht Vollzeit arbeiten können. Das Ausbildungsmodell eröffnet die Möglichkeit, einen qualifizierten Berufsabschluss zu erwerben und ebnet den Weg für eine eigenständige berufliche Existenz. Eine Berufsausbildung in Teilzeit ist eine vollwertige Berufsausbildung!

Vor allem Menschen mit Familienverantwortung haben es oftmals besonders schwer, ihren Wunsch nach einer Berufsausbildung zu realisieren. In dieser Situation bietet eine Ausbildung in Teilzeit Müttern und Vätern neue Wege, um erfolgreich in den Beruf einzusteigen. Aber zum Beispiel auch für Sportlerinnen und Sportler, Geflüchtete oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen kann die Teilzeitausbildung eine gute Option sein.

Für Unternehmen stellt diese Ausbildungsform eine wertvolle Möglichkeit zur Fachkräftesicherung dar. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind attraktiv, wenn sie signalisieren, dass sie Wert auf die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf legen und sich flexibel zeigen.

In OstWestfalenLippe setzen sich viele Akteurinnen und Akteure gemeinsam für die Teilzeitausbildung ein. Das Netzwerk aus Kammern, Agenturen für Arbeit, Jobcentern, Gleichstellungsstellen, Beschäftigungsträgern und weiteren Anlaufstellen bietet Beratung und Unterstützung an.

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Gut zu wissen

für Ausbildungsinteressierte

Bei einer Ausbildung in Teilzeit bist du anteilig weniger Zeit im Betrieb als bei einer Vollzeitausbildung. Eine Teilzeitausbildung ermöglicht es dir, dein eigenes Geld zu verdienen und trotzdem andere Verpflichtungen wahrnehmen zu können. Du stehst mit beiden Beinen im Erwerbsleben und bist nach deiner Ausbildung eine Fachkraft mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Viele Betriebe bilden auch für den eigenen Bedarf aus und übernehmen ihre Auszubildenen. So oder so ist deine Ausbildung eine gute Investition in deine Zukunft, du bist unabhängiger und kannst selbstbestimmt durchs Leben gehen.

Es kann viele Gründe geben, warum eine Ausbildung in Teilzeit sinnvoll ist, zum Beispiel 

  • wenn du Mutter oder Vater geworden bist und mit einer Teilzeitausbildung die Kinderbetreuung und das Erwerbsleben besser kombinieren kannst.
  • wenn du Angehörige pflegen musst.
  • wenn du selbst grade nicht die Leistung erbringen kannst, die eine Ausbildung in Vollzeit erfordern würde. Gründe dafür können zum Beispiel Krankheit, eine Behinderung oder ähnliches sein.
  • wenn du nebenbei eine Weiterbildung machst, einen Sprachkurs besuchst oder ähnliches.
  • wenn du im Leistungssport aktiv bist.
  • wenn du auf einen Nebenjob angewiesen bist.

Grundsätzlich kann jeder und jede Auszubildende eine Ausbildung im dualen System in Teilzeit absolvieren. Auch einige schulische Ausbildungen sind in Teilzeit möglich. Du hast schon mal eine Ausbildung abgebrochen? Dann könnte eine Teilzeitausbildung für dich eine gute Lösung darstellen.

In Absprache mit dem Betrieb kannst du deine wöchentliche Ausbildungszeit um maximal 50 % reduzieren. Du kannst die wöchentliche Stundenzahl individuell mit deinem Ausbildungsbetrieb absprechen. Berufsschulunterricht findet im vollen Umfang, also in Vollzeit statt. Neben einer Teilzeitvereinbarung über die gesamte Ausbildungsdauer ist auch eine nur anteilige Reduzierung der Vollzeitausbildung denkbar, beispielsweise eine Kürzung der täglichen Ausbildungszeit für die Dauer von zwölf Monaten auf 70 %.

Nicht zwangsläufig. Es ist auch möglich, die Ausbildung in der gleichen oder in kürzerer Zeit zu absolvieren, wenn du und der Ausbildungsbetrieb dies gemeinsam bei der zuständigen Kammer beantragen.

Wenn das Erreichen des Ausbildungsziels innerhalb der Regelausbildungszeit nicht zu erwarten ist, verlängert sich deine Ausbildungsdauer um die reduzierte Ausbildungszeit. Generell verlängert sie sich aber höchstens bis zum Eineinhalbfachen der Dauer, die in der Ausbildungsordnung der Berufsausbildung in Vollzeit festgelegt ist. An einem Beispiel kurz erklärt: Bei einer Ausbildung, die in Vollzeit 3 Jahre geht, verlängert sich die Teilzeitvariante auf maximal 4,5 Jahre. Das heißt, die Ausbildungsdauer bleibt gleich, aber das Ende deiner Ausbildung verschiebt sich nach hinten.

Die Ausbildungsvergütung wird in der Regel an die jeweilige Stundenzahl angepasst und reduziert sich entsprechend. In Absprache mit deinem Ausbildungsbetrieb ist aber auch eine ungekürzte Ausbildungsvergütung möglich.

Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten finanzielle Unterstützung zu bekommen, die du beantragen kannst. Möglich sind beispielsweise Wohngeld, Kindergeld, Elterngeld, Berufsausbildungsbeihilfe und noch weitere Unterstützungsmöglichkeiten – abhängig von deiner persönlichen Situation. Wichtig dabei: Du musst die Unterstützung beantragen, bevor du die Ausbildung beginnst. Informiere dich also rechtzeitig und denke daran, dass es manchmal länger dauern kann, bis deine Anträge genehmigt werden.

Hier findest du weitere Informationen zu staatlichen Unterstützungsleistungen:

› bmbf-prod.bmbfcluster.de/upload_filestore/pub/Berufsausbildung_in_Teilzeit.pdf

Fragen kostet nichts!

Am besten ist, du fragst bei der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer nach, die für deine Region zuständig ist. Sie können dich dazu beraten, wie Teilzeitausbildung im Betrieb organisiert werden kann. Sie kennen oft Unternehmen, die Teilzeitausbildungen anbieten. Manche Betriebe weisen auch direkt in ihren Stellenausschreibungen oder auf der Webseite auf die Möglichkeit der Teilzeitausbildung hin. Grundsätzlich kannst du natürlich auch direkt bei einem Betrieb nachfragen, der dich als Ausbildungsbetrieb interessiert. Kleiner Tipp: Manchmal kann eine geringe Reduzierung der Ausbildungszeit schon helfen, um Privates und Ausbildung besser unter einen Hut zu bekommen. Auch eine wöchentliche Ausbildungszeit von 35 Stunden gilt als Teilzeit und ist oft für das Unternehmen kein großes Hindernis. Hier hilft ein offenes Gespräch mit dem Ausbildungsunternehmen, um gemeinsam zu klären, ob Teilzeit für beide Seiten eine gute Option ist.

Weitere Informationen und Kontaktdaten findest du hier:

› planet-beruf.de/schuelerinnen/welche-ausbildungen-gibt-es/welche-ausbildungswege-gibt-es/duale-und-schulische-ausbildung/bericht-so-funktioniert-die-teilzeitausbildung

› www.arbeitsagentur.de/lexikon/teilzeit-berufsausbildung

Außerdem gibt es das Projekt »Teilzeitausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven eröffnen (TEP)«, das dich bei deinem Weg in die Teilzeitberufsausbildung unterstützen kann:

› www.ostwestfalenlippe.de/owl-gmbh/regionalagentur-owl/standard-titel/tep/

Gut zu wissen

für Unternehmen

Nein! Jeder Auszubildende kann seit dem 1. Januar 2020 den betrieblichen Teil seiner Ausbildung in Teilzeit absolvieren. Anders als bislang muss hierfür kein besonderer Grund mehr nachgewiesen werden. Vielen Ausbildungsbetrieben ist diese Option aber nach wie vor nicht bekannt oder sie haben falsche Vorstellungen von den flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Teilzeitausbildung bedeutet zum Beispiel nicht, dass die Unternehmen 50 Prozent der Arbeitszeit auf ihre Auszubildenden verzichten müssen. Die Arbeitszeiten sind individuell vereinbar. Schon eine Ausbildung mit 35 Stunden pro Woche gilt als Teilzeit und kann zum Beispiel eine Lösung für die Randzeitenbetreuung bei der Herausforderung »Vereinbarkeit Familie und Beruf« bedeuten.

Die Zielgruppe ist größer als gedacht, denn schon lange haben sich die familiären Lebensverhältnisse in unserer Gesellschaft verändert. Flexible Lebensentwürfe sind heute Realität. Anbieten kann sich eine Teilzeitausbildung für Personen, die …

  • … sich um kranke Eltern, Großeltern oder jüngere Geschwister kümmern müssen oder früh eine eigene Familie gründen und selbst Kinder haben.
  • … eine Nebenbeschäftigung ausüben wollen oder müssen, eine Weiterbildung absolvieren, einem zeitintensiven Ehrenamt nachgehen oder im Leistungssport aktiv sind.
  • … aus unterschiedlichen Gründen wie Krankheit oder Behinderung nicht voll leistungsfähig sind, eine Beschäftigung mit reduzierter Stundenzahl aber problemlos meistern können und wollen.

Ja, sogar gleich mehrere:

  • Es wird immer schwieriger, gut ausgebildete Fachkräfte für kleinere Unternehmen zu gewinnen und langfristig zu binden. In der Praxis haben diejenigen Unternehmen einen Vorteil, die ihre Mitarbeitenden in den individuellen Lebensentscheidungen unterstützen. Wenn die Kinder weniger Betreuung erfordern oder sich die Pflegesituation eines Familienmitglieds ändert, stehen betriebserfahrene Mitarbeitende mit vollem Engagement und Tatkraft zur Verfügung. In Zeiten des zunehmenden Mangels an Fachkräften ein unschätzbarer Gewinn.
  • Familienfreundlichkeit ist für viele Mitarbeitende mittlerweile ein Attraktivitätsmerkmal auf dem Arbeitgebermarkt geworden, gleichzeitig werben Unternehmen mit Familienfreundlichkeit. Eine Ausbildung in Teilzeit zu ermöglichen, lässt aus Werbung echte Realität werden und erhöht die Arbeitgeberattraktivität.
  • Viele Unternehmen, die Teilzeitausbildung anbieten, geben an, mit ihren Auszubildenen zielorientierte, leistungsstarke und zufriedene Mitarbeitende im Betrieb einsetzen zu können. Häufig sind die Auszubildenden älter und bringen mehr Lebenserfahrung mit. Auch wissen die Auszubildenden das Engagement und die Unterstützung des Ausbildungsbetriebs zu schätzen.

Zuerst der Haken: Aus betrieblicher Sicht sind die Berufsschultage fest vorgegeben, diese dürfen in der Regel nicht verkürzt werden. Es gibt nur wenige Berufsschulen, die den schulischen Teil teilzeitkonform anbieten können.

Nun das Positive: Die betriebliche Zeit kann individuell nach den Bedürfnissen der Auszubildenden aber auch der Unternehmen angepasst werden. Hierbei haben die Betriebe mit ihren Auszubildenden weitgehende Entscheidungsfreiheit. Wichtig ist, dass alle Ausbildungsinhalte vermittelt werden und Zeit ist, die neuen Fähigkeiten zu üben. Je nach Situation kann die tägliche Arbeitszeit oder auch die Anzahl der Tage reduziert werden. Die allgemeine Sorge, die Auszubildenden kaum im Betrieb zu sehen, stellt sich je nach Stundenumfang und Absprache in vielen Fällen als unbegründet heraus. Generell muss mindestens 50 % der Ausbildungszeit (inklusive Berufsschule) geleistet werden. Oft reicht es aber auch schon, die Ausbildungszeit um 25 % oder weniger des normalen Stundenumfangs zu reduzieren. So können individuelle Lösungen gefunden und zukünftige Fachkräfte ausgebildet und gehalten werden.

Nicht zwangsläufig. Es ist auch möglich, die Ausbildung in der gleichen oder in kürzerer Zeit zu absolvieren, wenn du und der Ausbildungsbetrieb dies gemeinsam bei der zuständigen Kammer beantragen. Durch das neue Gesetz eröffnen sich für Betriebe und Auszubildende viele Freiheiten in der Umsetzung der Teilzeitoption. Manchmal kann es jedoch sinnvoll sein, die Dauer der Ausbildung zu verlängern, allerdings nicht mehr als das 1,5fache der regulären Ausbildungszeit. Bei einer 3jährigen Ausbildung würde dies also eine Verlängerung auf maximal 4,5 Jahre bedeuten. Häufig verlängert sich die Ausbildung im gleichen Verhältnis wie die reduzierte Stundenanzahl. Der Umfang der Ausbildung bleibt in der Regel gleich, nur der Abschluss verschiebt sich nach hinten. Weitere Informationen und Beratung erhalten Sie bei der Kontaktperson Ihrer Kammer.

Insbesondere die Kammern bieten gezielte Beratung zum Thema Teilzeitausbildung für Unternehmen an und unterstützen bei der Umsetzung. Informationen und Ansprechpartner finden Sie hier:

› www.ostwestfalen.ihk.de/ausbildung/fuer-ausbilder/regelungen-zum-ausbildungsverhaeltnis

› www.detmold.ihk.de/hauptnavigation/bilden-und-qualifizieren/ausbildung/ausbildungs-a-z/teilzeitausbildung-4491470

Im Video: Alles wichtige zur Teilzeitausbildung

Teilzeitausbildung - Hilfe und Unterstützung

Jobcenter Bielefeld

Rosemarie Baumeister
Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Die Beauftragten für Chancengleicheit der Jobcenter unterstützen Sie gerne bei der Suche und Umsetzung  einer Ausbildung in Teilzeit.

Ihre Kontaktpersonen vor Ort zum Thema Teilzeitausbildung finden Sie im Internet über www.arbeitsagentur.de

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Teilzeitausbildung - Was muss ich wissen?

IHK Bielefeld

Uwe Gößling
Ausbildungsberatung gewerblich-technische Berufe

Die Ausbildungsberatungen der Industrie- und Handwerkskammern unterstützen Sie gerne bei Fragen zu einer Ausbildung in Teilzeit.

Teilzeitausbildung auf einen Blick.

Alles zur Ausbildung.

 

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Teilzeitausbildung - Eine Chance für Betriebe und Auszubildende

Handwerkskammer Bielefeld

Siegfried Morawe
Ausbildungsberater

Jede neue Fachkraft in Ausbildung ist ein Gewinn. Lassen Sie sich beraten, wie Sie als Betrieb oder als Auszubildender von einer Ausbildung in Teilzeit profitieren können – auch im Handwerk.

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Teilzeitausbildung - Ein Modell für Ihre Lebenssituation

Agentur für Arbeit Paderborn

Simone Wils
Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Die Beauftragten für Chancengleicheit der Jobcenter unterstützen Sie gerne bei der Suche und Umsetzung  einer Ausbildung in Teilzeit.

Ihre Kontaktpersonen vor Ort zum Thema Teilzeitausbildung finden Sie im Internet über www.arbeitsagentur.de

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Kampagnenmedien

Hier finden Sie Materialien der Kampagne »Ausbildung in OWL« . Drucken Sie das Plakat aus, und hängen Sie es sichtbar aus. Sie dürfen auch die Motivbilder der Facebook- und Instagrammkampagne verwenden, jedoch ausschließlich mit dem Hinweis auf diese Webseite www.ausbildung-in-owl.de als auch dem Setzen eines Links. 

Plakat der Kampagne
Kampagne Ausbilder
Kampagne Ausbilderin
Kampagne Junge Frau in Pünktchen
Kampagne Junge Frau mit Tablet
Kampagne Junger Mann im Blaumann
Kampagne Junger Mann mit Pflanzen
Kampagne Bewegtvideo 1
Kampagne Bewegtvideo 2